Jüdisches Leben allgemein
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Quellenverzeichnis

1700 - 1900

Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Juden in Crailsheim immer noch eine benachteiligte Minderheit, doch ihre Lage hatte sich etwas verbessert. Das Bauvorhaben einer neuen Synagoge, welches ihnen 100 Jahre lang verboten wurde, durfte endlich verwirklicht werden. 1810 fiel Crailsheim an das Königreich Württemberg und die rechtliche Gleichstellung der jüdischen Personen wurde zunehmend zum Thema. Nach und nach wurden die restlichen Leibzölle aufgehoben und sie erhielten Zugang zu den Handwerksberufen, welche ihnen vorher verwehrt gewesen waren. Trotzdem erhielten sie keine Sozialfürsorge und kein Wahlrecht. Am 25. April traten die Israeliten Gesetze in Kraft, welche aber schon fast einer Umerziehung glichen. Mit finanziellen Anreizen und Sanktionen sollten die Juden zur Abwendung von Handels- und Geldgeschäften und zur Ergreifung von Handwerksberufen gedrängt werden. Um das Bürgerrecht zu erwerben, mussten sie erst 10 Jahren im Handwerk oder Feldbau tätig sein. Die Juden sollten durch diese Bestimmungen "entjudet" werden und die Reife zur Gleichberechtigung erlangen. Diese Umerziehung wurde streng überwacht und es wurden regemäßig jüdische Bürger zu einer Befragung ins Rathaus geladen. Ein großes Problem, welches durch die Sanktionen entstand war, dass die Juden mehr oder weniger gezwungen wurden handwerklich tätig zu werden. Doch sie konnten sich keine Ausbildung in einem Handwerksberuf leisten, da ihre Haupteinnahmequellen wie Hausieren oder allgemein der Güterhandel ihnen 1828 durch ein Gesetz verboten wurden. So lebten sie oftmals am Existenzminimum und mussten bei der Stadt Crailsheim um Lehrgeld bitten.

1839 wurde eine jüdische Schule eröffnet und es besserte sich die Situation der Juden leicht. Doch sie genossen immer noch ein sehr geringes Ansehen. Von großer Bedeutung war für sie die Eröffnung eines jüdischen Friedhofes 1841. In den ersten Tagen der Märzrevolution 1846 gab es zwar in vielen Teilen Deutschlands Ausschreitungen gegen Juden, doch in Crailsheim war dies nicht der Fall - Sogar im Gegenteil: ihre Lage besserte sich immer weiter. 1860 kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung in Crailsheim, an dem die jüdischen Bürger nicht ganz unbeteiligt waren. Sie wurden immer beliebter und brachten sich immer mehr in die Politik ein und zwei jüdische Kaufleute saßen im Aufsichtsrat der Bank. Das Klima zwischen Christen und Israeliten wurde immer besser, so nahmen Teile der christlichen Gemeinden an der Einweihung der neuen Synagoge teil und die jüdische Gemeinde beteiligte sich 1878 an der Einweihung der katholischen Volkshochschule. Die Juden waren recht beliebt und wurden gut in die Stadt integriert, doch dies geriet 1906 während der Landtagswahlen ins Wanken, da die weit verbreitete Bauernpartei BDL stark gegen das Judentum hetzte.