Jüdisches Leben allgemein
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Zeit des Ersten Weltkriegs

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges führte dazu, dass die Juden Crailsheim nahezu alle begeistert waren. Sie wollten mit Ihrem Dienst dem Vorurteil, dass sie nicht patriotisch und unzuverlässig währen, entgegenwirken. So kämpften in Crailsheim zur Zeit des Ersten Weltkriegs 52 jüdische Männer an der Front, von welchen 15 verwundet wurden und fünf starben. Es gab selbst einen Ausruf des Verbands der deutschen Israeliten und der Zentralverein deutscher Staatsbürger israelitischen Glaubens an die deutschen Juden:

"In schicksalsernster Stunde ruft das Vaterland seine Söhne unter die Fahnen. Dass jeder deutsche Israelite zu den Opfern an Gut und Blut bereit ist, die die Pflicht erheischt, ist selbstverständlich. Glaubensgenossen! Wir rufen Euch auf, über das Maß der Pflicht hinaus Eure Kräfte dem Vaterland zu widmen! Eilet freiwillig zu den Fahnen! Ihr alle, Männer und Frauen, stellet Euch durch persönliche Hilfeleistungen jeder Art und durch Hergabe von Geld und Gut in den Dienst des Vaterlandes!"

In Crailsheim selbst engagierten die jüdischen Bürger sich durch Unterstützung des roten Kreuzes und halfen mit Spenden, wie mit Synagogenleuchtern zur Kriegsfinanzierung. Außerdem wurde eine freiwillige Sanitäterkolonne gegründet, in der knapp 25% jüdischen Glaubens waren, darunter auch David Stein. Der Glaube, dass durch die Beteiligung der Juden der antisemitische Hass für immer verstummte erfüllte sich nicht, eher das Gegenteil trat ein. Da der Erste Weltkrieg nicht wie erhofft schnell und ohne große Verluste gewonnen wurde, kam es zu großer Verzweiflung. So kam es zu einer Zählung um herauszufinden, ob sich ein großer Teil der Juden vom Dienst drücke. Die Zahlen wurden jedoch nie veröffentlicht, was zu wilden Spekulation der Bürger führte. Auch wurde den Juden vorgeworfen, aus dem Weltkrieg ein Geschäft zu machen und die finanzielle Notlage der Bürger auszunutzen. Nach dem Weltkrieg wurde dem Judentum die Schuld an der Niederlage und der Revolution des politischen Systems gegeben. So wurde der Kampf gegen das Judentum gleichgestellt mit dem Kampf gegen die Republik.

In Crailsheim allerdings kam der Judenhass erstmals 1919 zum Vorschein als die Zeitung "Fränkischer Grenzbote" das Thema behandelte. Mitte Mai kam es anschließend auch zu antisemitischen Flugblättern, auf die sich jedoch ein christlicher Bürger wie folgt äußerte:

"Ein böses Flugblatt ist auch in unsere Stadt hineingeschneit. Gegen die Juden! Und der Inhalt? Nichts Besonderes! Alte Ladenhüter in neuer Politur. Ein Hetzblatt! Nicht mehr und nicht weniger. Der Inhalt könnte zum Lachen reizen, wenn er in seiner Berechnung auf die Leidenschaft der Volksmasse nicht so gefährlich wäre. Gerade jetzt, nach dem Zusammenbruch des stolzen Vaterlandes, jetzt, bei der Verzweiflung im tiefer denkenden Volk war so etwas zu erwarten. Immer, wenn schwere Folgen wie Donnerschläge auf uns hereinbrechen, kommt die Frage: woher kommt es? Wer ist schuld? Und noch immer in solchen historischen Augenblicken, hat man den Ruf vernommen: Haut den Juden!"